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Diskussionsbeiträge


Die Frage nach der kulturellen Auswirkung für die wichtigste Stadt am Bodensee wird in keiner der Diskussionen thematisiert. In erster Linie steht immer die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Projekte in Konstanz. Sowohl die Verwahrlosung der Stadtsilhouette und die Zerstörung bestehender Stadtstrukturen wird der Qualität der Stadt Konstanz nachhaltig schädigen. Es ist nicht die Frage nach einem Konzerthaus und auch nicht in erster Linie nach der Rentabilität eines solchen Einzelobjektes (wie auch dem Sealife). Es geht vielmehr um die Gesamtgestalt und den Charakter einer Stadt wie Konstanz, die über Jahrhunderte hinweg der kulturelle und somit wirtschaftliche Schmelztigel der Bodenseeregion war: Jedes architektonische Objekt der Stadt Konstanz (Konzil, Post, Münster, Rheinbrücke, Inselhotel) trägt seinen Teil zu der Gesamterscheinung bei. So ist also die Frage WIE gebaut werden soll zu stellen und nicht nach dem OB!!! Ein Mediamarkt ähnliches Teil wird dem Rest der Stadt an so einer prominenten Stelle das Wasser nicht reichen können (wie man an dem unglaublich Sealifecenter schon erkennen kann). Wird man sich also nochmal besinnen und fragen, wie das Konklomerat von "Baumärkten" (Sealife, Konkresshaus und Lagocenter) auf das Zentrum der Stadt wirkt, so wird es als Antwort geben: wir sind dabei die Qualität und auch das wirtschaftliche Potential der Stadt Konstanz langfristig zu zerstören. Wer möchte denn die wunderbare Perle am Bodensee noch besuchen, wenn sie sich anschickt zum Industriegebiet zu werden? Der Biertrinkende Mallorcabesucher wird auch weiterhin zum Seenachtsfest pilgern, aber ein potentieller Konzertbesucher (geschweige denn der Papst) wird sich nicht nach einer Stadt umschauen, die sich so ihrem kulturellen Erbe gegenüber verhält! Es gibt genügend Städte am Bodensee, die "irgendwie" sind, aber es kann nur eine geben, die besonders ist. NEIN zu diesem Kongresszentrum

Matthias Lorenz


Leserbrief an den SÜDKURIER

Zu den Artikeln „Drei Mann in einem Konzerthaus -Boot“ und „Das ist eine echte Ungerechtigkeit“:

Zur Finanzierung des Kultur- und Kongresshauses fehlen Zahlen. Untersucht man die Auswirkungen auf die Philharmonie, dann wird deutlich, dass der Zuschuss der Stadt Konstanz erheblich steigen wird. Bei der von der Stadt angenommenen optimistischen Auslastung von 20 % (Vollbelegung an 73 Tagen) werden Einnahmen von 1 354 400 Euro erwartet, somit am Tag von 18.554 Euro. Hiervon sind die jetzigen Mietkosten von 500 Euro und 1000 Euro für Mieteinnahmen anderer Räume im Kongresszentrum abzuziehen, so dass sich Mehrausgaben von 17.000 Euro Mietkosten pro Tag, bei 20 Konzerten im Jahr von 340 000 Euro ergeben. Rechnet man, dass das Konzert ausverkauft ist, dann ergibt dadurch allein ein Mehrbetrag von 9.44 Euro pro Zuhörer, bei Anwesenheit von 900 Zuhörern sind dies 18.88 Euro. Man kann, glaube ich, in Konstanz davon ausgehen, dass nicht jedes Konzert ausverkauft sein wird. Bei einem Durchschnittseintrittspreis von 20 Euro müssen 850 Personen zusätzlich Eintrittskarten lösen, um die Mehrkosten auszugleichen. Die Prognose, dass mit jährlichen Mehrkosten von 150 000 - 200000 Euro zu rechnen ist, dürfte damit realistisch sein. Die Philharmonie hat auch immer erklärt, dass die Eintrittspreise nicht mehr erhöht werden können.

Die Mehrausgaben haben aber zur Folge, dass die Vorgabe des Landes 25 % Eigenfinanzierung in noch weitere Ferne rückt und damit der städtische Anteil sich noch mehr erhöhen wird und bald die 2 Millionen Euro (derzeit 1,66 Millionen Euro) Grenze nicht nur erreicht sondern übersteigt. Wenn man dann realistisch 4 Millionen Folgekosten für das Kongresszentrum annimmt, dann wird sich in Zukunft  die Frage stellen, ob man sich die Philharmonie leisten kann. Vielleicht hat man dann in 5 Jahren einen Konzertsaal und kein Orchester mehr. Wer die Philharmonie erhalten will und rechnet, wird beim Bürgerentscheid mit Nein stimmen.

 Hans-Joachim Weber, Kapitän-Romer-Str. 27a


ich finde Ihr anliegen/vorhaben richtig und ehrenwert -- allein, ich denke, es kommt zu spät. "sealife" war die erste scheibe der salami "kleinvenedig", weitere werden folgen.
mit vielen anderen habe ich versucht, mich gegen die projekte "sealife", "seeuferhaus", "alte sparkasse" (da v.a. die überbauung des brunnenplatzes als öffentlichem raum) zu wehren -- nicht als notorische neinsager und bedenkenträger, sondern aus der überzeugung heraus, dass es eine andere, bessere verwendung und nutzung hätte geben können als die letztlich rein kommerzielle im interesse privater investoren. es war alles umsonst. Sie werden beim durchboxen all dieser vorhaben auf den immer gleichen eifrigen "förderer" stossen -- OB frank. ob beim brunnenplatz mit seinen bänken und bäumen ("kann entfallen", signiert "frank"), beim sealife mit seiner "anspruchsvollen architektonischen gestaltung" und der tollen einlassung, die überwiegende mehrheit der besucher käme ja mit öffentlichen verkehrsmitteln, daher seien keinerlei bedenken in richtung von verkehrsproblemen angebracht -- Sie werden durchgehend den "roten teppich" für jedweden investor wiederfinden. und selbst wenn Sie meinen, den gemeinderat überzeugt zu haben -- keine sorge, es gibt immer noch eine zweite abstimmung; und die fällt dann nach zwischenzeitlich erfolgter entsprechender "knetung" des rates ganz sicher im sinne des investors aus, der dann händereibend die gemeinderatssitzung verlässt....... (ich erinnere an die beschlüsse zur überbauung des brunnenplatzes vor der alten sparkasse: erst "nein", dann "ja"....). und so geht ein stück "konstanzer tafelsilber" nach dem anderen weg..... trotzdem viel glück!

dr. christoph linge, zumsteinstr. 6, 78464 konstanz, 4. April 2003


Ich bin in Konstanz geboren und aufgewachsen, d.h. ich bin mit dem See groß geworden. Schon als Kind habe ich es genossen, am Wasser zu spielen. Der Bezug zum See war immer wichtig für mich. Die Vorstellung, dass auf Klein-Venedig ein großer Gebäudekomplex entstehen soll, finde ich nicht akzeptabel.

In der Konstanzer Altstadt, im Paradies und in Stadelhofen leben immer mehr Menschen auf engem Raum zusammen. Auch aus diesem Grund sollten wir diesen Menschen und uns allen die Freifläche erhalten.

Hinzu kommt, dass Konstanz für die BesucherInnen attraktiver geworden ist. Auch diese Menschen wollen die Stadt am See erleben. Dazu gehört meines Erachtens auch die Freifläche Klein-Venedig. Mir wäre lieber, es würde Geld für die Aufwertung dieser Freifläche investiert werden.

Michael Renker, Konstanz, 23.03.2003